HPV
Humane Papillomviren (HPV) sind weltweit verbreitet. Etwa 80 % aller sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal – schon bei den ersten intimen Kontakten. Das entspricht etwa vier von fünf Personen.
HPV-Infektionen gehören damit zu den häufigsten sexuell übertragbaren Infektionen (STI) und sind eher die Regel als die Ausnahme.
Was ist HPV eigentlich?
Es gibt über 200 verschiedene HPV-Typen. Man unterscheidet grob zwei Gruppen:
Niedrigrisiko-Typen:
Sie verursachen meist harmlose, aber oft lästige Genitalwarzen (Feigwarzen/Kondylome) im Anal- und Genitalbereich sowie im Mund- und Rachenraum. Zu 90 % der Fälle werden diese durch die Typen 6 und 11 verursacht.
Die Inkubationszeit beträgt Wochen bis Monate.
Hochrisiko-Typen:
Über einen längeren Zeitraum können sich Zellen krankhaft verändern. Bleibt die Infektion über viele Jahre bestehen (10 bis über 30 Jahre), kann sich daraus Krebs entwickeln. Vor allen durch die Typen 16 und 18. HPV bedingter Krebs betrifft nicht nur den Gebärmutterhals, sondern auch den Vaginalbereich, den After und Enddarm, den Penis sowie den Mund- und Rachenraum.
In den meisten Fällen (ca. 80 bis 90 %) kann das Immunsystem die Viren selbst bekämpfen. Die Infektion heilt dann innerhalb von ein bis zwei Jahren unbemerkt aus.
Problematisch wird es, wenn die Viren lange im Körper bleiben (sogenannte Persistenz). Dann können sie die Haut oder Schleimhäute dauerhaft schädigen. Einige Hochrisiko-Typen führen zunächst zu Zellveränderungen, aus denen sich – meist über viele Jahre – Krebs entwickeln kann.
Übertragungswege
HPV wird nicht nur durch Körperflüssigkeiten übertragen, sondern vor allem durch direkten Haut-zu-Haut- oder Schleimhautkontakt im Genital- und Analbereich.
Deshalb bieten mechanische Schutzmaßnahmen wie Kondome oder Lecktücher keinen vollständigen Schutz.
Bereits enger Hautkontakt, Petting oder die gemeinsame Nutzung von Sexspielzeug können zur Übertragung ausreichen. Die Viren gelangen meist über kleine Verletzungen (Mikroverletzungen) der Haut oder Schleimhaut in den Körper.
Die HPV-Impfung: Dein bester Schutz
Die Impfung ist derzeit die effektivste Methode, um Krebserkrankungen durch HPV vorzubeugen. Der aktuelle Impfstoff (Gardasil® 9) schützt vor den wichtigsten Hoch- und Niedrigrisiko-Typen.
Ältere Impfstoffe
- Silgrad (4-Fach)
- Cervarix (2-Fach)
- Gardasil® (4-valent))
Schauen Sie in Ihrem Impfpass nach, ob Sie bereits geimpft sind. Falls ja, besteht ein weitgehender Schut gegen die enthaltenen HPV-Typen. Das bedeutet jedoch nicht, dass keine Vorsorgeuntersuchungen mehr durchgeführt werden müssen. Ein Schutz besteht nämlich nur vor HPV-Typen, die im Impfstoff enthalten sind, sowie vor den dadurch verursachten Krebsarten.
Wann impfen?
Idealerweise erfolgt die Impfung im Alter von 9 und 14 Jahren, also vor dem ersten Geschlechtsverkehr. In diesem Alter reichen zwei Impfdosen, da das Immunsystem besonders gut reagiert.
Nachholimpfung:
Bis zum 18. Geburtstag werden die Kosten von allen gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Hierfür sind in der Regel drei Impfdosen notwendig.
Impfung für Erwachsene: Macht das noch Sinn?
Ja, auch für Erwachsene über 18 Jahren kann die Impfung noch sinnvoll sein.
Selbst wenn bereits Kontakt mit einem HPV-Typ bestand, schützt die Impfung vor anderen Typen, mit denen man sich noch nicht angesteckt hat.
Allerdings ist die Wirkung mit zunehmendem Alter oft geringer, da viele Menschen bereits Kontakt mit HPV hatten (ca. 40 % der Frauen stecken sich in den ersten zwei Jahren sexueller Aktivität an). Nach dem 26. Lebensjahr wird die Impfung nicht mehr allgemein empfohlen, kann aber im Einzelfall sinnvoll sein.
Kostenübernahme bei Erwachsenen:
Obwohl die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung offiziell nur bis zum 18. Lebensjahr empfiehlt, übernehmen mittlerweile viele gesetzliche Krankenkassen die Kosten auch für Erwachsene. Je nach Kasse teilweise bis zum 26. oder 28. Lebensjahr (freiwillige Leistung). Es ist sinnvoll, vorab bei der Krankenkasse nachzufragen und sich eine schriftliche Kostenübernahme bestätigen zu lassen.
Sollte ich mich auf HPV testen lassen?
Beim Gebärmutterhalskrebs-Screening, das seit 2020 durchgeführt wird, ist der HPV-Test für Frauen ab 35 Jahren ein fester Bestandteil der Vorsorge. Er wird alle drei Jahre in Kombination mit einem Zellabstrich (Pap-Test) durchgeführt.
Dieses Vorgehen ist sinnvoll, um ein erhöhtes Risiko für Gebärmutterhalskrebs frühzeitig zu erkennen.
Bei Frauen zwischen 20 bis 34 Jahren wird HPV-Test hingegen nur durchgeführt, wenn bereits Zellveränderungen festgestellt wurden. Der Grund: In dieser Altersgruppe ist das Risiko für Krebs sehr gering. Deshalb ist es wichtig, die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen.
Ein HPV-Test ohne Beschwerden (z. B. am Penis, im After oder im Rachen) wird derzeit nicht empfohlen.
Ein positives Testergebnis bedeutet nämlich nur, dass das Virus vorhanden ist. Nicht, ob es tatsächlich zu einer Erkrankung kommt. Da die meisten HPV-Infektionen von selbst abheilen, kann ein Test ohne konkreten Anlass ehr unnötige Verunsicherung auslösen.
Ein HPV-Test vor der Impfung ist ebenfalls nicht notwendig und wird nicht empfohlen.
Früherkennung und Behandlung
Die Impfung ist der beste Schutz vor HPV. Wenn eine Impfung für Sie (noch) nicht infrage kommt, können folgende Maßnahmen helfen:
- Vorsorge nutzen:
Frauen sollten regelmäßig zur Krebsfrüherkennung/vorsorge gehen. Männer sollten bei Veränderungen im Intimbereich (z. B. kleine Knötchen oder Warzen) frühzeitig eine ärztliche Praxis aufsuchen.
- Kondome und Lecktücher (Safer Sex):
Kondome sind wichtig, bieten bei HPV jedoch keinen vollständigen Schutz, da das Virus über Hautkontakt übertragen wird.
Bereiche, die nicht vom Kondom bedeckt sind, können weiterhin ansteckend sein. Studien zeigen jedoch, dass Kondome das Ansteckungsrisiko um etwa 50-70% reduzieren können.
Außerdem können sie helfen, eine bestehende Infektion schneller ausheilen zu lassen, da eine erneute Ansteckung verhindert wird („Neuinfektion“ durch den Partner).
- Hygiene bei Sexspielzeug:
HPV ist sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen. Sexspielzeug sollte daher nicht gemeinsam benutzt oder nur mit einem neuen Kondom verwendet werden. Nach jedem Gebrauch sollte es gründlich mit Seife oder speziellen Reinigern gesäubert werden.
- Intimrasur:
Bei einer Nassrasur können kleine Verletzungen (Mikroverletzungen) der Haut entstehen, über die HPV leichter in den Körper eindringen kann.
Es ist daher sinnvoll, sich nicht unmittelbar vor dem Geschlechtsverkehr zu rasieren. Ein Abstand von 24 bis 48 Stunden gibt der Haut Zeit, sich zu regenerieren. Alternative: Haare nur trimmen.
- Rauchen aufgeben:
Rauchen erhöht das Risiko, dass eine HPV-Infektion länger im Körper bleibt. Dadurch steigt auch das Risiko für Krebs deutlich.
Rauchen ist ein massiver Risikofaktor für die Dauer einer HPV-Infektion. Bei Rauchern bleiben HPV-Infektionen statistisch gesehen viel häufiger bestehen (Persistenz), anstatt auszuheilen, was das Krebsrisiko deutlich erhöht.
- Behandlung:
HPV selbst kann nicht mit Medikamenten geheilt werden, die Folgen jedoch schon. Feigwarzen können z.B. mit Cremes, durch Vereisung oder per Laser entfernt werden. Zellveränderungen am Gebärmutterhals werden oft beobachtet oder durch einen kleinen Eingriff (Konisation) entfernt, meist bevor Krebs entsteht.
- Anal-Screening für Risikogruppen:
Für Personen mit einem erhöhten Risiko für Analkrebs wird ein regelmäßiges Screening empfohlen, z.B. durch einen Zellabstrich oder Proktoskopie.
Dazu zählen insbesondere:
- Männer, die Sex mit Männern haben (MSM).
- Menschen mit HIV (regelmäßiges Screening ab etwa 35 Jahren empfohlen).
- Personen mit bekannten Vorstufen (AIN) oder chronischen Reizungen im Analbereich.
Grundsätzlich gilt: Vorbeugen ist besser als Behandeln. Es gibt eine sichere und wirksame Impfung gegen HPV.
Gut zu wissen
Wir, die Fachkräfte der Beratungsstellen zu HIV und weiteren sexuell übertragbaren Infektionen (STI) sind für Sie da. Wir bieten Ihnen vertrauliche, anonyme und kostenlose Beratung zu HPV und zu Impfmöglichkeiten an.
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